In den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche Einführungstexte zu Werken der geistlichen Musik und der Orgelmusik entstanden — für Programmhefte und Radiosendungen, für Vorträge und Buchkapitel. Immer geht es darum, diese Musik einem breiten Publikum nahezubringen: nicht für Fachleute geschrieben, aber fachlich fundiert. Wenn Sie ein Werk aufführen, muss der Einführungstext nicht neu erfunden werden.

So einfach geht es

  1. Werk auswählen — aus der Liste unten, oder einfach nach weiteren Titeln fragen.
  2. Anfragen — eine kurze E-Mail genügt, und Sie erhalten den vollständigen Text zum Lesen.
  3. Abdrucken — der Abdruck im Programmheft ist gegen eine Gebühr möglich, auf Wunsch angepasst an Ihr Konzert.

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Werke, zu denen Einführungstexte vorliegen (Auswahl)
Claudio MonteverdiMarienvesper
Heinrich SchützMusikalische Exequien
Dietrich BuxtehudeMembra Jesu Nostri
Giovanni Battista PergolesiStabat Mater
Georg Friedrich HändelMessias · Israel in Egypt · Saul
Georg Philipp TelemannDonner-Ode · Seliges Erwägen · Die Tagzeiten
Jan Dismas ZelenkaMagnificat
Johann Sebastian BachKantaten · Johannes-Passion (Fassungen I, II, IV, NBA) · Matthäus-Passion · Messe h-Moll · Magnificat · Weihnachts-, Oster- und Himmelfahrtsoratorium
Joseph HaydnDie Schöpfung · Die Jahreszeiten · Messen
Wolfgang Amadeus MozartRequiem · Messe c-Moll · Davide penitente · Grabmusik · Zauberflöte
Ludwig van BeethovenMissa solemnis
Gioachino RossiniPetite Messe solennelle
Felix Mendelssohn BartholdyPaulus · Elias · Lobgesang · Wie der Hirsch schreit · Erste Walpurgisnacht
Robert SchumannRequiem für Mignon
Johannes BrahmsEin deutsches Requiem · Schicksalslied
Anton BrucknerMotetten
Antonín DvořákRequiem
Giacomo PucciniMessa di Gloria
Franz SchmidtDas Buch mit sieben Siegeln
Frank MartinGolgotha · Polyptique
Arthur HoneggerLe Roi David
Arnold SchönbergFriede auf Erden · A Survivor from Warsaw
Zoltán KodályMissa brevis
Benjamin BrittenWar Requiem
Leonard BernsteinMass · Chichester Psalms
Krzysztof PendereckiLukas-Passion
György LigetiLux aeterna

Dazu zahlreiche Texte zur Orgelmusik, Liedporträts zum Gotteslob sowie Werktexte zu einzelnen Sonn- und Festtagen des Kirchenjahres.

Leseproben — jeweils die erste Seite eines Textes

Musik von Leid und LeidenschaftJ. S. Bachs Johannespassion

Die musizierte Passion steht in der Geschichte der Kirchenmusik und der geistlichen Musik an zentraler Stelle. Mit dem Thema der biblisch bezeugten Leidensgeschichte verbindet sie „ökumenisch“ die Konfessionen, und mit ihrer Vielfalt von Stilrichtungen umfasst sie den immensen Zeitraum von der Spätantike bis zu unserer unmittelbaren Gegenwart: von der einstimmigen Gregorianik über die Mehrstimmigkeit und das vokal-instrumentale Zusammenspiel bis hin zu zeitgenössischen Werken, bisweilen auch rein instrumentalen, etwa über die „Sieben Letzten Worte“ Jesu am Kreuz.

Die Passionswerke Johann Sebastian Bachs, die in der Geschichte der Passionsmusik einen unbestrittenen Höhepunkt bilden, folgen in ihrem Typus der textlich gemischten „Oratorischen Passion“ mit Bibelwort, Choralstrophen und Barockdichtung. Von seinen vermutlich insgesamt fünf Passionsmusiken sind jedoch nur die beiden nach Johannes und Matthäus erhalten geblieben. Die 1724 komponierte Johannespassion ist die frühere der beiden erhaltenen Passionen aus der Feder des Thomaskantors Bach. Im Unterschied zur Matthäuspassion liegt sie jedoch nicht in einer „Ausgabe letzter Hand“ vor, sondern als „work in progress“ in fünf divergierenden und teilweise nur unvollständig überlieferten Fassungen.

Wenn wir danach fragen, worin Bedeutung und Wirkung dieses Werkes letztlich gründen, treffen wir an vielen Punkten auf „Integrationen“, auf Bachs Kunst also, Divergierendes miteinander in eine Balance zu bringen; und von einigen Aspekten dieser musikalisch-theologischen Kunst der Integration soll hier nun einführend die Rede sein.

Hier endet die Leseprobe. Nehmen Sie gerne Kontakt auf, um den ganzen Text zu lesen — oder um ihn gegen eine Gebühr in Ihrem Programmheft abzudrucken: meinrad.walter@t-online.de

Ein komponiertes TriptychonZur inneren Einheit von Händels „Messiah“

Händels „Messiah“ ist in mehrfacher Hinsicht ein besonderes, seine anderen Kompositionen „übertreffendes“ Werk. Es ist das erste Oratorium der Musikgeschichte, das sich von Anfang an einer ungebrochenen Beliebtheit beim Publikum wie bei den Chören erfreut. Nicht einmal den großen Vokalwerken Bachs wurde dies zuteil; mussten sie doch nach einer langen Phase der Vergessenheit im 19. Jahrhundert erst wiederentdeckt werden. Ungewöhnlich ist zudem das Thema, auf das der Librettist Charles Jennens verweist. Nicht eine einzelne biblisch-theologische Thematik steht im Mittelpunkt (wie etwa in Haydns „Schöpfung“) oder ein Fest im Kirchenjahr (wie in Bachs „Weihnachtsoratorium“). Vielmehr geht es um eine dreifach gegliederte Gesamtsicht des Messias in Wort und Ton. Die Textgrundlage besteht — auch dies ist eher ungewöhnlich — ausschließlich aus Bibelversen, deren Auswahl und Reihenfolge bereits ein erster Aspekt von „Komposition“ im wahrsten Sinne des Wortes darstellt.

Handlungen jedoch, aus denen ein Oratorium in aller Regel lebt, werden mehr angedeutet und vorausgesetzt als konkret benannt oder gar dramatisch „inszeniert“. Eine solche Gesamtsicht ist mit bildlichen Darstellungen des Messias durchaus vergleichbar: etwa mit dem Bildprogramm der Hauptportalhalle des Freiburger Münsters oder mit einem Altar mit mehreren Flügeln wie dem Isenheimer Altar. Vielleicht kann man die einzelnen „Nummern“ bei Händel sogar als „Momentaufnahmen“ deuten, die von den Hörerinnen und Hörern mit der jeweils ganzen biblischen Geschichte zu ergänzen sind; etwa wenn in der Passion nur die Geißelung anklingt, die übrigen Stationen des Kreuzwegs aber mitzudenken sind.

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Musik zur Bibel im Geist der AufklärungZu Joseph Haydns „Schöpfung“

Das Oratorium „Die Schöpfung“ zählt neben dem von Joseph Haydn (1732–1809) überaus bewunderten „Messias“ von Händel zu den wenigen vor 1800 entstandenen Werken der Gattung, denen von Anfang an eine ungebrochene Popularität beim Publikum wie bei den Chören beschieden war. Von solcher Begeisterung, die sich mitunter kaum noch in Worte, es sei denn in paradiesisch-euphorische Bilder fassen ließ, zeugt etwa ein Bericht von der Uraufführung am 30. April 1798 im alten Schwarzenberg-Palais zu Wien: „Ekstatisch die Gemüter, überrascht, hingerissen, trunken vor Freude und Bewunderung, erfuhren sie für zwei Stunden nacheinander, was sie noch niemals vorher erfahren hatten: ein seliges Dasein, erzeugt von immer größeren Wünschen, die sich immer erneuerten und immer befriedigt wurden“ (Giuseppe Carpani).

Der Öffentlichkeit vorgestellt wurde das Werk erst etwa ein Jahr nach der Uraufführung. Aus diesem Anlass nun ließ Haydn eigens einen Theaterzettel mit dem Hinweis drucken, dass er die damals auch nach Einzelsätzen durchaus übliche „Aeußerung des Beyfalls“ nur als „Merkmahl der Zufriedenheit“, nicht aber als „Befehl zur Wiederholung irgend eines Stückes anzusehen“ gewillt ist. Und Haydn begründet dies mit der inneren Einheit des dreiteiligen Werkes, dessen architektonische Stimmigkeit — auch um der vergnüglichen Wirkung beim Publikum willen — nicht gestört werden sollte. Auch der menschliche Schöpfer eines Kunstwerks, zumal eines musikalischen, mag seine „Schöpfung“ nicht durch Zufälligkeiten wie Gunst und Ungunst des Publikums verändert sehen!

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Musik von Trauer und TrostDas „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms

Das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms (1833–1897) ist ein ebenso erfolgreiches wie in vielen Aspekten rätselhaftes Werk. Bereits der vom Komponisten stammende Titel wirft Fragen auf. Ein „Requiem“ als protestantischer Gegenentwurf zur katholischen Totenmesse? Wohl kaum, denn das „deutsch“ verweist zunächst nur auf den Wortlaut der vom Komponisten selbst ausgewählten Bibelverse nach Martin Luthers deutscher Übersetzung der Heiligen Schrift. Die im Werk sich zeigende Frömmigkeit des Komponisten jedoch ist kaum lutherisch zu nennen, war vielmehr geprägt von kritisch-säkularisierter Religiosität: bibelfest zwar, doch nicht kirchentreu. Mit dem Wort „Requiem“ leiht Brahms sich gleichsam eine Gattungs-Überschrift aus der Liturgie, die im 19. Jahrhundert große konzertante Triumphe feiern konnte. Brahms steuert zur Gattung des Requiems ein höchst eigenständiges Werk bei, das sich einer Fixierung im Sinne der Tradition letztlich entzieht: kein eigentliches Requiem, aber auch kein Oratorium; eher eine Art paraliturgische Chorsinfonie in sieben Sätzen.

Dieses „Requiem“ — nach langer und verwickelter Entstehungsgeschichte wurde es 1869 uraufgeführt — ist ein überaus persönliches Werk. Durchlebte Trauer steht im Hintergrund: nach dem Tod Robert Schumanns (1856) und der Mutter des Komponisten (1865). Clara Schumann trifft den „Ton“ des Werkes genau, wenn sie es „ein wahrlich menschliches Requiem“ nennt. War es doch das schonungslos Menschliche, und eben nicht das Christliche, was Brahms an der Bibel so fasziniert hat. Das Requiem ist überdies ein dramatisches Werk, weil es — ganz im Sinne einer musikalischen Trauerarbeit — den Weg von der Trauer zum Trost geht und somit den Prozess der Trauer quasi inszeniert.

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Zwischen Salon und ParadiesGioachino Rossinis „Petite Messe solennelle“

Rossini erging es gegen Ende seines Lebens ähnlich wie Johann Sebastian Bach. Beide wollten nicht sterben, ohne eine Messe komponiert zu haben! Bach vernachlässigt dafür bisweilen seine Leipziger Amtsaufgaben. Rossini hat sich schon längst an das Privatisieren gewöhnt. 35 Jahre nach seiner letzten Oper „Guillaume Tell“ widmet sich der gesundheitlich Angeschlagene in Paris vornehmlich kulinarischen Themen — mit schmackhaften Variationen. Daneben entstehen etwa 150 Spätwerke, die er liebevoll die „Sünden meines Alters“ nennt.

Nachdem er die Idee einer lateinischen Messe wohl schon länger mit sich herumgetragen hat, kommt der Impuls zur Vollendung, wie so oft, als konkreter Auftrag. Das wohlhabende adlige Pariser Ehepaar Pillet-Will bittet um Musik zur Weihe der Privatkapelle in ihrem neuen Stadtpalais in der Rue de Moncey. Die Uraufführung im Salon am 14. März 1864 erklärt die kleine Besetzung: Vokalsolisten und kleiner Chor sowie zwei Klaviere und Harmonium.

Erst später hat Rossini seine keineswegs kleine „Petite Messe“ orchestriert. Um Schlimmeres zu verhindern! Findet man diese Messe, so schreibt er, eines Tages in meinem Nachlass, „so kommt Herr Sax mit seinen Saxophonen oder Herr Berlioz mit anderen Riesen des modernen Orchesters, wollen damit meine Messe instrumentieren und schlagen mir meine paar Singstimmen tot …“.

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Sänger und Sünder, Büßer, Hirt und TänzerArthur Honeggers Oratorium über „König David“

Die Bibel inspiriert Komponisten aller Epochen vielfach, und auch König David spielt dabei eine wichtige Rolle. Einige Beispiele nur: Heinrich Schütz soll seinen Schüler Matthias Weckmann aufgefordert haben, hebräisch zu lernen, weil das nützlich sei bei der Vertonung der Psalmen Davids. Johann Sebastian Bach notiert an den Rand seiner Calov-Bibel, dass die gottesdienstliche Musica „von Gottes Geist durch David mit angeordnet“ worden sei. Johann Kuhnau und Georg Friedrich Händel wiederum vertonen Davids „musiktherapeutisches“ Harfenspiel, das den depressiven und aggressiven Saul besänftigt. „Das“ abendfüllende Oratorium des 20. Jahrhunderts zur Gestalt des Hirten und Königs David stammt von Arthur Honegger (1892–1955).

„Le Roi David“ war das Durchbruchswerk des 29-Jährigen, das sich nachhaltig in die Konzertprogramme „einschleichen“ (Honegger) konnte. Auf Empfehlung von Ernest Ansermet und Igor Stravinsky hatte der junge Komponist zunächst den Auftrag erhalten, innerhalb von nur zwei Monaten eine Bühnenmusik zum David-Drama des Schriftstellers und Regisseurs René Morax zu komponieren. Aufführungsort dieses mehr als vierstündigen „Drame biblique“ war das Théâtre du Jorat, eine Art kleiner Volksbühne im Waadtländer Bauerndorf Mézières, nördlich von Lausanne hoch über dem Genfer See gelegen. Bei der Uraufführung am 11. Juni 1921 wirkten Studenten, Bauern und Profis zusammen, nicht zu vergessen die Pferde, die auf der Bühne zum Einsatz kamen.

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Archiv

Vorträge & Tagungen seit 2007

2013

  • „Wieviel Theologie braucht die Kirchenmusik?“

    Tagung, Katholische Akademie Freiburg, 15.–16. November 2013 (Leitung: Prof. Dr. Meinrad Walter). Mit konzertanter Abendmusik zu Werken von Arvo Pärt in der Universitätskirche Freiburg.

    Weitere Informationen

2008

  • Musik verstehen: Franz Schuberts „Winterreise“

    Evangelische Akademie Hofgeismar, 11.–13. Januar 2008

  • Symposion zu den Messe-Kompositionen von J. S. Bach

    Bachakademie Stuttgart, 22.–23. Februar 2008

  • J. S. Bach: Musikalisches Opfer

    Konzert (Leitung: Johannes Götz) und Rezitation (Meinrad Walter), St. Peter, Fürstensaal, 16. März 2008

  • Vortrag zu Olivier Messiaen

    Bildungshaus St. Michael, Tauberbischofsheim, 27. April 2008

  • BWV 180: „Schmücke dich, o liebe Seele“

    Mit Johannes Götz, Katholische Akademie Freiburg, 23.–25. Mai 2008

  • Vortrag über Rossinis „Petite Messe solennelle“

    St. Peter, Fürstensaal, 30. Juni 2008

  • BWV 106: „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“ (Actus tragicus)

    Mit Eckhard Manz, Evangelische Akademie Hofgeismar, 5.–7. September 2008

  • Einführung in Monteverdis „Marienvesper“

    Kath. Gemeindehaus, Gengenbach, 21. September 2008

  • Einführung in Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“

    Bad Krozingen, 24. September 2008

  • Einführung in Zelenkas „Missa Dei Patris“

    Mit Kathrin Hildebrandt und Johannes Götz, Musiktage St. Peter, Geistliches Zentrum, 4. Oktober 2008

  • Konzert mit J. S. Bach: „Musikalisches Opfer“

    Leitung Johannes Götz, Moderation Meinrad Walter, Katholische Akademie Freiburg, 6. Oktober 2008

  • „Die Dimension der Kirchenmusik in der Ausbildung von Theologen“

    Workshop, Kongress Kirchenmusik, Musikhochschule Stuttgart, 24. Oktober 2008

  • „Musik aus dem Geist der Theologie“ — Annäherungen an Olivier Messiaen (1908–1992)

    Interdisziplinäre Tagung mit abschließendem Konzert (Quatuor pour la fin du temps), Katholische Akademie Freiburg, 25.–26. Oktober 2008

    Weitere Informationen
  • Vortrag beim Kirchenmusiktag der Diözese Augsburg

    Augsburg, 22. November 2008

  • Messiaen-Abend

    Solothurn, 5. Dezember 2008

  • Vortrag über J. S. Bachs Weihnachtsoratorium

    St. Peter, Fürstensaal, 15. Dezember 2008

2007

  • Einführung in J. S. Bachs „Weihnachtsoratorium“ (Teile I, IV, VI)

    Trompeterschloss Bad Säckingen, 23. November 2007

  • Einführung in J. S. Bachs „Weihnachtsoratorium“ (Teile I–III)

    Schopfheim, 5. Dezember 2007

  • Einführung in J. S. Bachs „Weihnachtsoratorium“ (Teile IV–VI) und Kantate „Sie werden aus Saba kommen“

    Eberbach, 12. Dezember 2007

  • „Jauchzet, frohlocket!“ — Die Botschaft von J. S. Bachs Weihnachtsoratorium

    Gallussaal Hugstetten, 13. Dezember 2007